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Eurobike: Eine Messe unter Strom

Die Eurobike in Friedrichshafen hat sich zur Leitmesse für die gesamte Fahrrad-Branche entwickelt. Inzwischen treffen sich die Größen der Industrie am Bodensee und zeigen die gesamte Vielfalt des Angebots. Früher undenkbar, haben auch die E-Bikes (Pedelecs) die Veranstaltung erobert und zeigen, wie sehr sich die einst als 'AOK-Chopper' belächelten Räder von ihren Ursprüngen entfernt haben.


Die Eurobike in Friedrichshafen hat sich im Laufe der Jahre zur Leitmesse für die gesamte Branche entwickelt. Im Jahr 1991 als Spezialmesse für sportliche Fahrräder gegründet, hat sie heute die Ifma in Köln als wichtigste Messe abgelöst. Inzwischen treffen sich die Größen der Industrie am Bodensee und zeigen die gesamte Vielfalt des Angebots - in diesem Jahr vom 26. bis 29. August. Früher undenkbar, haben auch die E-Bikes (Pedelecs) die Veranstaltung erobert und zeigen, wie sehr sich die einst als "AOK-Chopper" belächelten Räder von ihren Ursprüngen entfernt haben.

Rund zwei Millionen Pedelecs sind aktuell in Deutschland unterwegs, und pro Jahr wächst die Zahl rasant weiter. Aktuell gibt es keinen Bereich mehr, in dem nicht mit elektrischem Rückenwind in die Pedale getreten wird. Außerdem spendieren Designer auch den biederen Alltagsrädern einen frischeren Auftritt, und die Techniker in den Entwicklungsabteilungen berücksichtigen dabei auch typisch deutsche Wünsche wie die nach einem Rücktritt. Die Traditionsmarke Kreidler kombiniert beim Vitality Eco 6 (ab 2.499 Euro) den Bosch-Mittelmotor mit einem tiefen Rahmendurchstieg und einem zulässigen Gesamtgewicht von 140 Kilogramm. So wird das Rad schnell zu einem vollwertigen Einkaufsfahrzeug, das keine Parkplatzprobleme kennt und den Einkauf ganz nebenbei zu einer Fitnessübung aufwertet. Das Stadtrad hat im vergangenen Jahr auch die Experten der Stiftung Warentest überzeugt, die ihm die Note "Gut" gaben.

Aus dem Stand hat sich Bosch zum Marktführer bei den Antriebssystemen entwickelt. Der Mittelmotor überlässt den Designern und Technikern ein Höchstmaß an gestalterischer Freiheit dabei, wie sie die Räder aufbauen. Und außerdem trägt der tief montierte Elektromotor dank des tiefen Schwerpunkts zu einem verbesserten Fahrverhalten bei. Die vsf-Fahrradmanufaktur nutzt den Antrieb deshalb bei seinem Sondermodell des P-500 (2.899 Euro) und spendierte den Rad zusätzlich den Nyon-Bordcomputer. Der am Lenker befestigte Rechner steuert die Energieversorgung ebenso wie die Navigation, arbeitet gleichzeitig als Fitnesstrainer, indem er die wichtigsten Daten speichert und kontrolliert bei Bedarf auch die Smartphone-Funktionen. Wer sagt da noch das Fahrrad sei die Technik von vorgestern?

Besonders eilige Zeitgenossen können bei der Manufaktur das P-1000 als S-Pedelec (3.299 Euro) ordern, das bis auf maximal 45 km/h beschleunigt. Allerdings wird für diese Räder der Mofa-Führerschein und das Tragen eines Helmes verlangt. Als "Angebot an Pendler" versteht der Faltrad-Spezialist Tern seine Modellpalette, die jetzt um eine E-Bike-Version erweitert wird. Das elektrisch unterstützte Faltrad kommt auf eine Reichweite von 50 Kilometern und darf auch in Bussen und Bahnen mitgenommen werden. Allerdings gehören die Räder nicht unbedingt zu den Leichtgewichten. Das E-Link kostet 1.999 Euro.

Von der Straße ins Gelände zieht Kreidler mit dem E-MTB Las Vegas (4.099 Euro), das dank eines Federwegs von 140 Millimeter vorne und hinten beste Fahreigenschaften auf rauem Gelände ermöglicht. Die ersten Bedenken der Szene haben sich inzwischen verflüchtigt, und die Geländegänger mit elektrischem Rückenwind gehören nun auch auf den Waldwegen zu den akzeptierten Größen. Für Verzögerung sorgen hydraulische Scheibenbremsen. Während Kreidler auf den Bosch-Antrieb setzt, geht der Schweizer Hersteller Wheeler mit einem anderen Konzept ins Gelände. Das E-Eagle besitzt einen BionX-Hinterradantrieb, der als einziger Antrieb auf Gefällstrecken Energie zurückgewinnen kann. Der Motor ist kombiniert mit einer 30-Gangschaltung von Shimano, hydraulischen Scheibenbremsen und einer vorderen Federgabel mit 100 Millimeter Federweg. Für das Rad verlangen die Schweizer 3.280 Euro.

Ein ganz anderes, dafür aber umso traditionelleres Einsatzgebiet fand die amerikanische Firma Xtracycle mit seinem Edgerunner. Lastenräder sind in den vergangenen Jahren aus dem Straßenbild verschwunden, kehren jetzt aber dank des elektrischen Rückenwinds wieder zurück. Der Trend könnte sich noch verstärken, wenn die Innenstädte mehr und mehr für den konventionellen Verkehr gesperrt werden. Das Edgerunner (2.690 Euro), soll sich, so der Hersteller, wie ein herkömmliches Rad fahren und kann dabei (je nach Gewicht des Fahrers) zwischen 80 Kilogramm und 100 Kilogramm laden. Zusammen mit dem Bosch-Mittelmotor kostet der Lastesel stolze 5.200 Euro.

Walther Wuttke

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