Norton Atlas und Atlas GT - Kurs auf neue Horizonte
SP-X/Solihull. Die Traditionsmarke Norton bereitet den Neustart mit zwei komplett neuen Modellfamilien vor. Neben
Klein, aber sportlich, das gilt hier vor allem für den Motor. Der Roller versucht mitzuhalten und schafft das meistens auch ganz gut.
Mode kommt niemals aus der Mode, auch wenn sie für längere Zeit verschwunden war. Das gilt auch für sportliche Rollermodelle, von denen es in den Neunziger Jahren fast jeden Monat eine neue rassige Variante vor allem auf dem italienischen Markt gab. Damals lag Aprilia mit seinen Rossi-, Biaggi- und sonstigen Racing-Replika-Modellen ganz weit vorn. Doch mit der Umstellung auf verbrauchs- wie emissionsärmere Viertakt-Motoren ging vielen der Reiz am Sportsegment verloren. Der Markt veränderte sich, die Sportler verschwanden fast komplett.
Doch nun gibt es Anlass zur Hoffnung, dass zumindest der damalige Trend getreu der immer wiederkehrenden Mode langsam wiederbelebt: Auf der EICMA in Mailand gab es vergangenen November gleich mehrere Exemplare aus dem 125er-Segment zu sehen. Malaguti als Marke der ersten Stunde gehört nun zu den ersten, die ihre Neuerscheinung, den Mission 125, auf dem deutschen Markt anbieten. In Natura macht der Leichtkraftroller einen erwachsenen, nichtsdestotrotz kompakten Eindruck. Dank breit bereifter, extrem schicker 13-Zoll-Alufelgen und einem steil ansteigenden kurzen Heck steht der neue Malaguti muskulös und selbstbewusst da. Ein zierliches Windschild oberhalb des Cockpits hat eher optische Effekte denn praktische Wirkung.
Etwas unpassend fallen die enorme Sitzhöhe von 90 Zentimetern und die große Bodenfreiheit aus, die nicht wenige Interessenten abschrecken. Spätestens beim Antrieb beweisen die Italiener jedoch, dass man es mit ,,Sport" ernst meint: Der Triebsatz ist mit einem sehr kurzhubigen Bohrung-/Hub-Verhältnis versehen, weshalb die Maximalleistung von 12,2 PS erst bei 9.500 U/min zur Verfügung steht, das maximale Drehmoment von knapp 11 Nm bei 7.750 Touren. Entsprechend drehzahlintensiv geht der Mission-Antrieb in der Praxis zu Werke. Schon zum sanften Losfahren benötigt die Fliehkraftkupplung Drehzahlen um 7.000, also knapp unter dem maximalen Drehmoment. Bei Vollgas strebt die Nadel dem 9000er-Gipfel zu, so dass ruckzuck Tempo 80 auf der Uhr steht. Kurz danach hat er sein Spitzentempo 95 km/h erreicht. Fahrdynamisch macht der Mission seine Sache also gut und auftragsgemäß, das hohe Drehzahlniveau und die damit verbundene Geräuschkulisse muss man indes mögen.
Genau so wie vergleichsweise hohen Durchschnittskonsum von 3,9 Liter pro 100 Kilometer - angesichts der sportlichen Auslegung durchaus glaubhaft. Bei nur sieben Litern Tankinhalt muss der Mission-Pilot in Schnitt spätestens nach 179 Kilometer zum Benzinstopp. Dabei sollte er rechts der Tanksäule parken, um den an der linken Seite in Hüfthöhe platzierten Tankstutzen optimal erreichen zu können. Mit einem Dreh am Zündschloss springt die Tankklappe auf. Vorsicht ist beim Einfüllen angesagt: Überschüssiger Sprit spritzt zielgerichtet auf den linken Oberschenkel.
Die sportliche Auslegung des neuen Malaguti Scooters zeigt sich auch bei der Fahrdynamik. Die kompakte, leicht gebeugte Sitzhaltung zum breiten Lenker gefällt auf Anhieb, die hohe Position des Trittbretts irritiert dagegen. Fahrer bis 1,70 Meter mögen die perfekte Haltung finden, Größere müssen die Knie doch sehr stark anwinkeln. Belohnt wird der Mission-Fahrer durch ein sehr ausgewogenes, stabiles Fahrverhalten. Weder die verhältnismäßig kleinen 13-Zoll-Räder noch die modische, Superbike-ähnliche Lenkstange bringen Nervosität in den Fahrbetrieb. Auch das für einen 125er überraschend satte Gewicht von 153 Kilo dürfte zur Souveränität beitragen: Kursstabil biegt der Malaguti um Ecken jeglicher Art.
Ungeachtet der sportlichen Attitüde überrascht der Mission mit der Funktion von Telegabel und schräg angelenktem Solo-Federbein: Das Fahrgefühl ist deutlich komfortabler als die Optik vermuten lässt. Die knappen Federwege kann der Malaguti zwar nicht wegdiskutieren, doch die Abstimmung von Federung und Dämpfung sind insgesamt gut gelungen. Auch die Bremsen machen einen guten Eindruck: Beide Scheiben sind prima dosierbar und verzögern die Fuhre bei festem Zupacken ordentlich. Schade nur, dass Malaguti dem Mission keine einstellbaren Handhebel spendiert hat.
Überhaupt beschränkt sich die Ausstattung auf das Wesentliche: Bei einem modernen Sportler darf man heutzutage ein spannender aufbereitetes Cockpit oder auch formschöne LED-Leuchteinheiten für Blinker, Rück- und Fahrlicht erwarten. Und ins große Staufach unter die Sitzbank passt kein Integralhelm hinein. Gut hingegen gefällt die Sicht in den rautenförmigen Rückspiegeln mit relativ langen Auslegern. Dass heutzutage auch aus China keine Schnäppchen mehr kommen, legt der Preis von 3.670 Euro nahe. Dafür ist der Neu-Italiener mit chinesischen Wurzeln durchaus gelungen und alles andere als ein Sparmobil - der neue Malaguti hat seine Mission als Sportroller erfüllt.
Technische Daten - Malaguti Mission
Motor: flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 124 ccm Hubraum, 9 kW/12,2 PS bei 9.500 U/min, 10,5 Nm bei 7.750 U/min; vier Ventile/Zylinder, ohc, Einspritzung, CVT-Automatik, Fliehkraft-Trockenkupplung, Riemen-Sekundärantrieb
Fahrwerk: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen; 3,5 cm Telegabel vorne (nicht einstellbar),10 cm Federweg; Triebsatzschwinge hinten, ein Federbein (Vorspannung einstellbar), 7,3 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70-13 (vorne) und 130/70-13 (hinten). 26,7 cm Einscheibenbremse vorne, 22 cm Einscheibenbremse hinten
Assistenzsysteme: ABS
Maße und Gewichte: Radstand 1,45 m, Sitzhöhe 90 cm, Gewicht fahrfertig 154 kg, Zuladung 155 kg; Tankinhalt 7,0 l
Fahrleistungen und Verbrauch (Werksangaben): Höchstgeschwindigkeit 95 km/h, 3,9 l/100 km
Preis: 3.690 Euro
SP-X/Solihull. Die Traditionsmarke Norton bereitet den Neustart mit zwei komplett neuen Modellfamilien vor. Neben
Rund 25 Jahre nach dem Modellende holt Honda den Prelude nach Europa zurück. Die sechste Generation des
Suzuki feiert zehn Millionen verkaufte Swift seit Neueinführung der Baureihe im November 2004 nach drei
