Automobilproduktion

So testen Roboter unsere Autositze

Die Digitalisierung schreitet im Autobau mit Vollgas voran. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) hilft Ingenieuren und Technikern. Arbeits-Roboter sind unbestechlich, wenn es darum geht, dass in den Werken Effizienz und Umweltbewusstsein gesteigert werden sollen. Bei Ford hat ein gewisser 'Robutt' eine ganz besondere Aufgabe: Dieser Roboter testet Autositze.


Die Digitalisierung schreitet im Autobau mit Vollgas voran. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) hilft Ingenieuren und Technikern. Arbeits-Roboter sind unbestechlich, wenn es darum geht, dass in den Werken Effizienz und Umweltbewusstsein gesteigert werden sollen. Ganz klar: Maschinen liefern den Autobauern völlig neue Erkenntnisse und Ansätze.

Das fängt bei eigentlich banalen Dingen wie den Sitzen an. Zahlreiche äußere Einflüsse können die Qualität von Autositzen beeinflussen, unter anderem der menschliche Schweiß. Denn Sport im Fitness-Studio oder eine Jogging-Einheit in freier Natur gehören inzwischen für viele Menschen zum Alltag. Doch nicht wenige müssen zunächst viele Kilometer mit ihrem Fahrzeug zurücklegen, bevor sie die Laufstrecke ihrer Wahl erreicht haben.

Und wer draußen zuhause ist, hat natürlich keine Gelegenheit für eine ausgiebige Dusche nach dem Training: Das heißt: Er setzt sich verschwitzt ans Steuer und macht sich so auf die Heimfahrt. Ein untragbarer Zustand, der jetzt die schlauen Köpfe von Ford auf den Plan gerufen hat. Der Hersteller möchte sicherstellen, dass Fahrzeugsitze auch nach der sportlichen Betätigung nicht beeinträchtigt werden.

Damit das gelingt, kommt "Robutt" zum Einsatz. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen speziellen Test-Roboter. Er spielt bei der Fahrzeugentwicklung eine der Hauptrollen. Denn "Robutt" simuliert wiederholtes Ein- und Aussteigen. Das vermittelt den Ingenieuren einen perfekten Eindruck, wenn es darum geht, welche Strapazen die Autositze im wahrste Sinne des Wortes so alles ertragen müssen.

Der intelligente Test-Roboter sorgt dafür, dass die Materialien, die für die Autositze verwendet werden, einem jahrzehntelangen, mechanischen Verschleiß standhalten können, teilt Ford mit. Doch damit nicht genug: Jetzt haben die Ingenieure das Test-System im Sitzlabor des Entwicklungszentrums in Köln-Merkenich weiterentwickelt: Sie prüfen nun auch, was passiert, wenn wir nassgeschwitzt ins Auto steigen.

"Autos sind ein Teil unseres Alltags, zu dem für viele Menschen auch sportliche Betätigung zählt", sagt Florian Rohwer, Development Engineer, Body and Chassis Labs, Ford of Europe. "Der sogenannte Robutt hilft bei der Entwicklung von Fahrzeugsitzen, die auch nach Jahren intensiver Nutzung noch immer gut aussehen."

Dahinter steckt harte Arbeit: Für den Schweißtest beispielsweise nimmt "Robutt" laut Ford nicht weniger als insgesamt 7.500 Mal auf dem Fahrzeugsitz Platz. Damit alles möglichst lebensecht ist, bekommt der Roboter die körperlichen Abmessungen eines mittelgroßen Mannes. Dann wird sein Sitzstempel auf 36 Grad Celsius erhitzt und mit 450 Milliliter Wasser getränkt. Was steckt dahinter? Ganz einfach: Auf diese Art und Weise simuliert "Robutt" eine jahrzehntelange Fahrzeugnutzung - und das alles in nur drei Tagen.

Der fleißige Arbeits-Roboter wurde 2018 erstmals bei der Weiterentwicklung des Fiesta eingesetzt. Laut Ford soll er künftig bei allen europäischen Baureihen sein Können unter Beweis stellen. Da ist man nie so richtig alleine im Auto, denn ein bisschen "Robutt" fährt zumindest bei den Ford-Modellen immer mit.

Ralf Loweg / mid

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