Elektromobilität

Ford Mustang Mach-E: Elektrowagen mit starkem Namen

Ein 'alter' Name für ein neues Modell. Legende gegen Zukunft. Gelingt die Verbeugung des elektrisch angetriebenen Ford Mustang vor dem Urahn mit dicken Verbrennungsmotoren?

5Ford Mustang Mach-E: Elektrowagen mit starkem Namen
mid Hamburg - Heißes Eisen unter Strom: Ford-Europa-Chef Stuart Rowley (Mitte) präsentiert das künftige Spitzenmodell Mustang Mach-E GT. Ford


Musste es unbedingt dieser Name sein: Mustang Mach-E? Ist den Ford-Leuten wirklich nichts Besseres eingefallen? Mustang - das ist bei Ford seit 56 Jahren ein Synonym für reine Sportwagen, die als Coupes oder Cabrios die Werkshallen verlassen. Und die mit der Zusatzbezeichnung Mach vor Kraft nur so strotzen. Ford Mustang: Dieser Name wurde spätestens durch den Hollywoodfilm Bullit zur Legende, als Schauspieler Steve McQueen bei einer Verfolgungsjagd durch San Francisco zeigte, was der Flitzer im Extremfall so draufhat.

Und jetzt das: Ford baut ein Elektroauto als "Crossover-SUV" mit Elektroantrieb und nennt es Mustang Mach-E. Versöhnlich für den Mustang-Hardcore-Fan ist da nur die Tatsache, dass der Elektro-Mustang ebenfalls nicht unter permanentem Leistungsmangel leidet. Je nach Version (zwei mit Heck- und zwei mit Allradtrieb) stehen 258 PS bis 337 PS in den technischen Datenblättern.

Eine GT-Variante (Verkaufsstart in Deutschland ab Ende 2021), die Ford-Europa-Präsident Stuart Rowley jetzt statisch in Hamburg vorstellte, bringt es 465 PS und knackt die Tempo-100-Marke in 3,7 Sekunden. Und auch beim Drehmoment lässt sich der besonders potente "Elektrohobel" mit 830 Newtonmetern (Nm) nicht lumpen. Also gut: Das mit der Leistung klingt schon sehr nach Mustang.

Wer ein richtiger Mustang sein will, braucht auch Ausdauer. Bei einem Elektroauto ist das die Reichweite. Schon schnalzen die Ford-Techniker mit der Zunge. Denn je nach Batterie-Typ ("Standard- oder Extended Range) sollen zwischen 420 und 600 Kilometer möglich sein - nach dem WLTP-Standard, der in der Praxis allerdings kaum hält, was er auf dem Papier verspricht. Trotzdem: Als Prospekt-Vergleichswert schon mal eine gute Ansage.

Wenn die elektrische Energie schließlich zur Neige geht, soll sich der Mustang-Fahrer nicht allein gelassen fühlen: Besitzt er ein "FordPass"-Kundenkonto (Partner ist das Unternehmen NewMotion), soll er allein in Europa bei 155.000 Ladestationen fündig werden. Dazu Ford-Präsident Rowley: "Durch unsere Lade-Initiativen können die Käufer eines Mustang Mach-E ihr Fahrerlebnis unbeschwert genießen, denn sie wissen, dass sie in ganz Europa jederzeit schnell und einfach Strom nachladen können."

Klar, dass das Navigationssystem auch weiß, wo die nächste Stromtankstelle zu finden ist. Bis Ende 2020 stehen für den Energiestoß zudem die 400 Schnell-Ladestationen (HPC) bereit, die das IONITY-Konsortium, zu dem auch Ford gehört, bis dahin an den europäischen Fernstraßen errichten will. An diesen Ladepunkten mit einer Leistung bis zu 150 Kilowatt (kW) sollen im Mustang-E mit der größeren Batterie (kombiniert mit Heckantrieb) bereits nach zehn Minuten weitere 119 Kilometer Reichweite gewonnen sein. Sind nur noch zehn Prozent Restenergie im Stromspeicher, wird nach 45 Minuten Ladezeit ein Pegelstand von 80 Prozent erreicht.

Geht es um die Optik, hat sich Ford auch da ins Zeug gelegt. Der Name Mustang verpflichtet: Das "Cossover-SUV" steht nicht langweilig, sondern ziemlich muskulös auf seinen Rädern. Da kann man dem Ford-Team Edison, das seinen Namen vom berühmten Erfinder der Glühbirne ableitet, nur gratulieren. Das preisgekrönte moderne Interieur passt absolut zur straffen Außenhaut. Was beim Ur-Mustang nicht möglich war, ist in der E-Variante keine Zauberei: Gibt es für den Wagen ein Software-Update, dann wird das elektronische Management online auf den neusten Stand gebracht.

Das Panorama-Glasdach (Sonderausstattung) birgt einen Infrarotschutz in sich, damit der Innenraum je nach Jahreszeit nicht zu kühl oder zu warm wird. Zudem schützt eine ganz spezielle Schicht im Glas vor ultravioletter Strahlung. Wer auf diese Weise wohltemperiert unterwegs sein will, muss mindestens 45.717,65 Euro hinblättern. Wenn es die dickere Batterie sein soll (99 kWh statt 75 kWh), springt das Kassenzählwerk schon auf 53.101,68 Euro. Bei den Allradvarianten stehen für die beiden Kombinationen 52.638,66 Euro oder 61.314.29 Euro in der Preisliste.

Ist Mustang jetzt der richtige Name für den Elektro-Ford oder wäre ein völlig neuer, abgedrehter Begriff besser gewesen? Wird der Mustang-E genauso Legende wie sein Ahn mit dicken Verbrennungsmotoren? Wer nicht sicher ist, der sollte vielleicht noch einmal den Film Bullit anschauen. Mit dem (alten) Mustang in der herausragenden Hauptrolle und Steve McQueen in der besten Nebenrolle.

Klaus Brieter / mid

Technische Daten Ford Mustang Mach-E AWD Standard Range

- Länge / Breite / Höhe: 4,71 / 1,88 / 1,60 Meter
- Motor: Jeweils ein E-Motor pro Achse
- Leistung: 190 kW / 258 PS
- max. Drehmoment: 581 Nm
- Getriebe/Antrieb: Automatik-Getriebe/Allradantrieb
- Batterie-Kapazität: 75 kWh
- Ladedauer: etwa 7 Stunden bei dreiphasigem Laden mit 10,5 kWh an öffentlicher Ladesäule oder Wallbox
- Beschleinigung: 0 bis 100 km/h in weniger als 7,0 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
- Normverbrauch je 100 km (WLTP): 17,9 kWh
- CO2-Emissionen: 0 g/km
- Preis: 45.717,65 Euro (Basisversion mit Heckantrieb)

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