Test: Zontes 310 T - Zum Einstieg Luxus

Die Chinesen kommen. Während die Autos erst zögerlich Zugang zum deutschen Markt finden, sind die Zweiräder schon da. Und das sogar in sehr ordentlicher Verpackung, wie die Marke Zontes zeigt.

7Test: Zontes 310 T - Zum Einstieg Luxus
Aus China drängt die neue Marke Zontes mit ansprechenden Einstiegsmodellen auf den europäischen Markt Foto: RKM

Aus China drängt die neue Marke Zontes mit ansprechenden Einstiegsmodellen auf den europäischen Markt. Dabei übernehmen sie wohlfeile Merkmale der europäischen Konkurrenz, merzen aber mit erstaunlich üppiger Ausstattung und mehr als ordentlicher Verarbeitung das negative Image des Nachbau-Asiaten aus. Besonders interessant ist die 310 T, die wie eine zu heiß gewaschene, modernisierte Version klassischer Reiseenduros daherkommt. Daneben umfasst das vierköpfige Aufgebot das Naked Bike 310 R, den vollverkleideten Tourer 310 X und den lässigen Cruiser 310 V.

Allesamt fußen auf dem gleichen technischen Baukasten, der Elemente etablierter Motorradhersteller enthält: Das kleine Adventure-Modell, das gerade an der schnabeligen Front an die BMW GS erinnert, zeigt beim Endschalldämpfer Anleihen bei MV Agusta, die hübsche Aluschwinge mit Versteifungsrippen könnte so auch in einer KTM arbeiten. Ungeachtet dessen stellt die Zontes ein sehr erwachsenes Motorrad mit einem aggressiven Gesicht dar, das von zwei schmalen Positionslichtern über einem mittigen LED-Scheinwerfer geprägt wird.

Als Antrieb steht ihr ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder zur Verfügung, der in seinen Grundzügen einem Honda-Antrieb entspricht. Mit vier Ventilen, zwei oben liegenden Nockenwellen und Einspritzung ist er technisch up to date, sein Hubraum von 312 Kubik reicht zu einer Leistung von 26 kW/35 PS bei 9.500 Touren und einem Drehmoment, das bei 30 Newtonmeter gipfelt. Modern fällt die Startprozedur dank Keyless-Go-Lösung aus, das Motörchen springt auf Knopfdruck problemlos an und nervt dank Ausgleichswelle auch bei hohen Drehzahlen nicht mit vermehrten Vibrationen. Das ist insofern wichtig, als der Einzylinder für seinen Vortrieb Drehzahlen benötigt und Schaltarbeit im kurz gestuften Sechsganggetriebe erfordert.

Das lässt sich sauber hoch- und runterschalten, damit schwimmt die 310 T nicht nur im Berufsverkehr gut mit, die ein oder andere Tour ist damit ebenfalls gut machbar -auf freier Strecke rennt die Chinesin bis Tacho 165. Auf Knopfdruck sehen zwei Fahrmodi zur Verfügung (Eco und Sport) die sich nur bei der Gasannahme, nicht aber bei der Endgeschwindigkeit unterscheiden. Andererseits cruist sie auch im sechsten Gang bei Tempo 50 durch den Ort, ohne zu ruckeln oder zu zuckeln. Überhaupt hinterlässt der Motor einen grundehrlichen Eindruck mit guter Gasannahme, sauberem Leerlauf und dezenten Auspuffgeräuschen. Selbst der ermittelte Verbrauch von vier Litern für gasfreudige 100 Kilometer ist in Ordnung, zumal das großzügige Spritfass mehr als 350 Kilometer Reichweite erlaubt

Wie erwachsen die Asiatin wirklich ist, zeigt sich beim Entern des Arbeitsplatzes. Der breite Enduro-Lenker streckt sich dem Fahrer weit entgegen, die gummierten Rasten sind tief genug für guten Knieschluss bei angenehmen Winkeln platziert. Sehr aufrecht und vom Polster in 84 Zentimetern Höhe formgebend unterstützt, fühlt man sich auf Anhieb wohl.

Gute Voraussetzungen also für einen beherzten Kurveneinsatz, zumal 186 Kilogramm Lebendgewicht und 17-Zoll-Räder vorn wie hinten ein leichtes Handling ermöglichen sollten. Allerdings empfiehlt es sich, die CST-Serienbereifung bei der ersten Gelegenheit gegen andere Pneus wie zum Beispiel Michelin Pilot Road 5 zu tauschen, dann wieselt die Zontes gripfreudig und neutral selbst bei niedrigen Temperaturen leichtfüßig ums Eck.

Das gilt in erster Linie für den Solobetrieb, zu zweit kommt vor allem das Federbein recht schnell an seine Grenzen. Während die USD-Gabel in der Front sauber anspricht und auch bei heftigen Bremsmanövern - dank Bosch-ABS gefahrlos möglich - nicht gleich auf Block geht, ist das Federbein zu weich ausgelegt. Dazu leitet es Fahrbahnstöße recht ungefiltert an die Besatzung weiter. Dieses Phänomen verstärkt sich mit der Zuladung, die allerdings mit 123 Kilogramm recht karg bemessen ist. Werden dann noch die erfreulich gut verarbeiteten Alukoffer und das Alu-Topcase aus dem Werkszubehör montiert, bleibt die 310 T nur noch für Einzelgänger. Übrigens fasst das Topcase 45 Liter (mit Träger EUR 462), die Koffer kosten mit Träger EUR 783 und bieten je 37 Liter Stauvolumen.

Das ist aber auch schon alles, was man für die große Tour an Extras benötigt, denn die Zontes 310 T ist von Hause aus schon mit allen möglichen Extras versehen: Keyless Go, elektrisch in zwei Stufen verstellbarer Windschild für ausgezeichnete Protektion, robuste Motorschutzbügel, Handprotektoren aus Aluminium, Gepäckträger, LED-Rundum-Beleuchtung, Lithium-Batterie, USB-Ladebuchse, hinterleuchtete Schaltereinheiten, LCD-Cockpit und auf Knopfdruck öffnende Tank- und Sitzbankschlösser - alles serienmäßig.

Bei soviel modernem Licht bleibt ein wenig traditioneller Schatten: Der Wendekreis ist zu groß, Vielfahrer vermissen einen Hauptständer zur Kettenpflege und wenn die Batterie leer ist, muss sie über einen Steckkontakt in der hinteren Radabdeckung wieder zum Leben erweckt werden - die Sitzbank ist ja elektronisch verriegelt. Unterm Strich bleibt dennoch ein mehr als komplett ausgestattetes Motorrad, das für 4.990 Euro die Messlatte in dieser Klasse kräftig anhebt.



echnische Daten und Ausstattung Zontes 310 T

Motor:  Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Einzylindermotor, 312 ccm Hubraum, 26 kW/ 35,4 PS bei 9.500 U/min, 30 Nm bei 7.500 U/min; vier Ventile/Zylinder, dohc, Einspritzung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk: Stahlrohr-Brückenrahmen; 3,7 cm USD-Telegabel vorne, nicht einstellbar, 16 cm Federweg; Alu-Zweiarmschwinge hinten, Zentralfederbein (Vorspannung stufenlos einstellbar), 18 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 110/70 R17 (vorne) und 160/60 R17 (hinten). 30 cm Einscheibenbremse vorne, 23 cm Einscheibenbremse hinten

Assistenzsysteme: zwei Fahrmodi, ABS abschaltbar

Maße und Gewichte: Radstand 1,400 m, Sitzhöhe 84 cm, Gewicht fahrfertig 186 kg, Zuladung 123 kg; Tankinhalt 15 l

Fahrleistungen und Verbrauch (Testwerte): Höchstgeschwindigkeit 150 km/h, 4,0 l/100 km

Preis: 4.990 Euro

auch in MOTORRAD

Anzeige

Videos