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Beff und P-Heff aus Bayern

BMW forciert die Elektromobilität. Topmodell der 5er-Reihe mit Plug-in-Hybrid ist künftig der 545e xDrive.

5Beff und P-Heff aus Bayern
mid München - Fahrleistungen auf M-Niveau: der neue BMW 545e xDrive. BMW


Kein anderer traditioneller Autohersteller arbeitet sich so gerne an Tesla ab wie BMW. Immer wieder betonen die Bayern, dass man in Sachen E-Mobile auf Augenhöhe mit den Kaliforniern fahre, und sie teilweise schon überholt habe.

Nicht ganz unwichtige Fußnote dabei: BMW zählt zu seinen elektrischen Fahrzeugen "alle, die einen Stecker haben". Anders als Tesla also auch Plug-in-Hybride, deren Akku sich für eine begrenzte Elektrofahrt an Stromsäulen laden lässt.

In zehn Jahren möchte BMW insgesamt sieben Millionen elektrifizierte Autos auf die Straße gebracht haben, davon zwei Drittel als BEV, gesprochen Beff ("Battery Electric Vehicle", also reine Akkumobile), und ein Drittel als PHEV, gesprochen P-Heff ("Plug-in-Hybrid Electric Vehicle").

Der Mix aus Sprit- und Stromantrieb, oft als Übergangs-Technologie eingestuft, bleibt für die Bayern also langfristig eine Alternative zum puren Stromer. "Wir halten es nicht für sinnvoll, nur auf eine Antriebsart zu setzen", beschreibt ein BMW-Manager den Unterschied zu Herstellern mit reiner Elektro-Agenda wie Volkswagen oder Tesla. Vor allem jene, die einerseits regelmäßig vom Wohnort ins Büro pendeln, aber andererseits immer mal wieder längere Strecken zurücklegen müssen, seien wegen dieses "gemischten Nutzerprofils" mit einem Hybrid am besten beraten.

Und so hat BMW für Manager mit Berechtigung für leistungsstarke Dienstwagen ab Ende 2020 ein passendes Modell parat: Der 545e xDrive bietet eine Systemleistung von 394 PS, und gerät so zum stärksten 5er unterhalb der M-Modelle. Das Drehmoment von 600 Newtonmetern und eine Beschleunigung auf Tempo 100 in 4,7 Sekunden sind Werte, die bislang den Sportwagen der M-Performance-Sparte vorbehalten waren.

Sehr viel mehr genaue Daten liegen noch nicht vor: Der 545i ist noch nicht komplett fertig spezifiziert und bislang nur als Prototyp unterwegs. Einen solchen konnte der Motor-Informations-Dienst (mid) zu einer ersten Testrunde ausführen.

Optisch wirkt die aktuelle 5er-Reihe nach dem Facelift noch stimmiger, der leicht vergrößerte Kühlergrill, die überarbeiten Scheinwerfer mit optionalem Laserlicht und die schlanken LED-Leuchten am Heck unterstreichen die Mixtur aus High-Tech und einem Hauch von Luxus.

Nach dem Entriegeln - künftig auch per iPhone oder Apple Watch möglich - nimmt der Fahrer im angenehm ausgeformten Sitz (standardmäßig mit Kunstleder bezogen) Platz, genießt an heißen Tagen die Vorkühlung im Stand, und blickt auf das bekannte, ansprechend gestaltete virtuelle Cockpit und ein großes 12-Zoll-Mitteldisplay.

Im Elektromodus, der sich akustisch durch ein von Film-Komponist Hans Zimmer gestyltes "swooooosh" ausweist, ist der 545e dann Kraft seines 109 PS starken Elektromotors unterwegs, dessen Akkus etwa 50 Kilometer Reichweite bieten. Das sollte, findet BMW, üblicherweise für das Pendeln ins Büro und zurück reichen, zumal die gebotene Leistung locker für das Mitschwimmen im Stadtverkehr und auch mal einen Ampelspurt ausreicht.

Damit der Dienstwagenfahrer abends auch brav nachlädt und nicht auf Firmenkosten Sprit verbrennt, belohnt BMW ihn fürs Stromtanken mit Bonuspunkten, die sich wiederum in Kilowatt-Prämien umwandeln lassen. Ob das so angenommen wird, ist durchaus fraglich - denn vor allem im Hybridmodus, also bei paralleler Sprit- und Stromnutzung, fährt dieser 5er sehr überzeugend.

Der Sechszylinder- und der E-Motor ergänzen sich harmonisch und liefern tatsächlich eine Performance, wie man es sonst nur von M-Modellen kennt. Im Sport-Modus bekommen die Insassen dann noch einen künstlich generierten Motorsound auf die Ohren. Leider, muss man sagen, denn einen solchen Krach-Kitsch hat der Wagen nicht im Geringsten nötig.

Jedenfalls geht BMW davon aus, dass die Kunden auch auf Langstrecke und somit per Benzin unterwegs sind - und die Akkuladung für den Zielort aufsparen wollen. Das könnte, so ahnt man, bald auch eine City mit Fahrverbot für Verbrenner sein, und hat die entsprechende Technologie schon jetzt an Bord: Anhand des im Navi programmierten Zieles erkennt das System derartige "E Drive Zones" und hält die entsprechende elektrische Restreichweite vor.

Doch noch ist es ja nicht soweit. Dass sein schicker "P-Heff" derzeit zwar schon viele, aber noch nicht alle Nutzerprofile abdeckt, weiß auch BMW. "Wer wöchentlich von München nach Hamburg fahren muss", so ein Manager, "ist vielleicht mit einem sparsamen und sauberen Diesel noch immer am besten bedient".

Marcus Efler / mid

Technische Daten BMW 545e xDrive:

- Motoren: 6 Zylinder Reihe + Hybrid

- Systemleistung: 290 kW/394 PS

- Drehmoment: 600 Nm

- elektr. Reichweite: 54 km

- Preis: 68.235 Euro

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