Neue Roller für 2020 - Mit Strom oder Zylinder

Im nächsten Jahr gibt es sowohl bei den Modellen mit Verbrennungsmotor wie auch bei Elektro-Scootern eine Flut an Neuheiten in allen Klassen.

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Der chinesische Hersteller Niu wertet seine E-Roller auf Foto: Niu

Die 77. EICMA hat am vergangenen Wochenende ihre Tore geschlossen - Zeit, um Ordnung in das fast unüberschaubare Angebot an Motorrollern zu bringen. Zweirad-Gigant Honda überarbeitet sein weltweit erfolgreiches Universalmodell SH125i grundlegend, Kymco kündigt gleich vier tiefgreifend überarbeitete oder gleich ganz neue Modelle sowie einen Dreirad-Scooter an, Vespa macht der E-Vespa Beine, und auch Piaggio, Europas bedeutendster Roller-Hersteller, bringt frischen Wind in sein Midsize-Scooter-Angebot. Außerdem kündigt Lambretta, mittlerweile in österreichischem Besitz, einen Generalangriff auf die etablierte Roller-Szene an. Als reichte das alles noch nicht, macht sich eine fast unüberschaubare Zahl an Elektroscooter-Herstellern aus China daran, auch in Europa Fuß zu fassen.

Um mit Letzterem zu beginnen: Es ist eine ganze Menge an lächerlichem Murks zu sehen, was da aus dem Land der Mitte nach Europa schwappt. Doch es findet sich auch Wegweisendes, beispielsweise vom seit fünf Jahren präsententen Hersteller Niu. Die Chinesen haben es geschafft, ihre kleinen E-Roller deutlich zu ertüchtigen: Zwei der Neuheiten schaffen nun nicht mehr nur 45 km/h Höchstgeschwindigkeit, sondern sind künftig auf maximal 70 km/h ausgelegt, womit sich in den größeren Metropolen auch auf Hauptverkehrsstraßen gut fahren lässt. Für den Antrieb werden dabei 3 kW/4 PS starke Bosch-Motoren verwendet. Die Reichweiten sollen bei Ausnutzen der vollen Leistung bei etwa 70 Kilometern liegen, wer nicht schneller als 45 km/h unterwegs ist, soll etwa 100 Kilometer Stadtverkehr schaffen. Stets an Bord der Niu-Scooter ist eine Prepaid-SIM-Karte; mit ihrer Hilfe ist die permanente Verbindung zur Niu-App möglich. Damit haben die Besitzer Zugriff auf GPS, Diebstahlschutz, Fernverfolgung eines möglicherweise gestohlenen Rollers und ein Hilfecenter. Außerdem werden die Roller vom Werk mittels Updates regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht.

Das in diesem Jahr auf den Markt gekommene Vespa E-Modell spielt auf dem deutschen Markt noch keine wichtige Rolle; der Preis von 6.390 Euro für das 45 km/h-Modell stellt vermutlich keine große Verkaufsunterstützung dar. Nächstes Jahr ist zusätzlich eine 70 km/h-Version im Angebot, deren Preis momentan noch nicht bekannt ist. Die Reichweiten beider Fahrzeuge entsprechen mit 100 bzw. 70 Kilometern den oben vorgestellten Niu-Modellen. Für die schnelleren Ausführungen ist in jedem Fall der Führerschein A1 vonnöten.

Allerdings werden E-Scooter in Deutschland auf absehbare Zeit noch deutlich hinter den konventionell angetriebenen Rollern rangieren. Unter denen ist der grundlegend renovierte Honda SH125i als vermutlich für den Mark bedeutsamste Neuheit zu nennen. Er zählt zur Gattung der Großradroller. Trotz Beibehaltung der Modellbezeichnung ist an ihm fast alles neu: Der Vierventilmotor erfüllt bereits die Anforderungen der Norm Euro5, bietet aber dennoch mit nun 9,2 kW/12,5 PS mehr Leistung, höheres Drehmoment, bessere Beschleunigung und eine deutlich verbesserte Ausstattung. Unter anderem werden eine Traktionskontrolle und LED-Licht installiert, auch gibt es eine Start-Stopp-Automatik. Trotzdem ist das Gewicht von 134 Kilogramm nicht höher als beim Vormodell.

Vespa hat in diesem Jahr keine echten Neuheiten zu bieten - man hat ja vergangenes Jahr die Dreihunderter mit großem Aufwand runderneuert -, sondern beschränkt sich auf die Präsentation von Sondermodellen. So gibt es die Vespa 300 wie die kleine Primavera als RED-Serie, in knallrot lackiert und mit roten Felgen ausgestattet ein echter Hingucker. Hübsch gibt sich auch die Primavera im Look des Künstlers Sean Wotherspoon; sie soll - und wird - in erster Linie junge Leute ansprechen.

Neu im Modellprogramm von Vespa-Mutter Piaggio ist die jüngste Medley-Generation. Der Medley 125 vereinigt die Prinzipien des wendigen Großrad- und des viel Platz bietenden Touring-Rollers. Er wurde vollkommen neu eingekleidet; dazu gehören LED-Beleuchtung und ein neues LED-Zentralinstrument im Cockpit. Außerdem erfolgt der Antrieb nun durch die jüngste Entwicklungsstufe des i-get-Vierventilmotors; er leistet 11 kW/15 PS und schöpft damit das zulässige Limit für Kleinkraftradantriebe zur Gänze aus. Serienmäßig werden ein Zweikreis-ABS, eine Start-Stopp-Automatik und das Konnektivitätssystem MIA zur Einbindung des Smartphones geliefert. Dasselbe Feature bietet kommende Saison auch die Update-Version des Sporttouring-Scooters Beverly 350, der Beverly Tourer. Zusätzlich weist er ein serienmäßiges Topcase auf.

Kymco setzt für das Modelljahr 2020 insbesondere bei seinen Rollern in der 300er Klasse den Schwerpunkt. Der X-Town 300 (17 kW/23 PS) erhielt, wie auch der kleinere X-Town 125, lediglich ein neues Design. Ganz neu ist in Deutschland der People S 300 als größtes Modell dieser Großradroller-Baureihe. Sein Triebwerk leistet 20 kW/27 PS. Deutlich besser ausgestattet ist der neue Agility+ 300 des taiwanesischen Herstellers. Auch er stellt neuerdings das hubraumstärkste Modell dieser Baureihe dar, die bisher nur Versionen mit 50 und 125 Kubikzentimetern Hubraum umfasste. Der Agility+300 ist mit einem 17 kW/23 PS-Motor etwas schwächer motorisiert, aber mit Noodoe-Konnektivitätssystem inklusive Navigation deutlich besser ausgestattet.  

Beliebtester Sporttouring-Scooter in Europa ist der 2001 erstmals vorgestellte TMAX der japanischen Marke Yamaha. 2020 wird die siebente Generation bei den Händlern stehen, mit dem neuen, nun 560 Kubikzentimeter großen Reihen-Twin; mit der Leistung von 35 kW/48 PS schöpft er das A2-Limit restlos aus. Als TMAX 560 soll er zudem für Fahrer und Sozia bequemer werden, zugleich sollen die sportlichen Fahreigenschaften aber unter den Veränderungen nicht leiden. Ergänzend zum TMAX 560 gibt es die Version TMAX Tech MAX mit serienmäßiger Griff- und Sitzheizung, Tempomat und einer elektrisch verstellbaren Verkleidungsscheibe.

Nur eine Nebenrolle am Markt spielt bislang die Marke Lambretta; bekannt ist sie primär älteren Rollerfreunden, denn sie stellte bereits Ende der 1960er Jahre nach gerade mal 15 Jahren Existenz die Fertigung ein. Die einstige Inhaber-Familie Innocenti ist nun aber in Kooperation mit der österreichischen KSR-Group wieder aktiv geworden und lässt seit einiger Zeit neue Lambrettas in China produzieren. Schon in Bälde soll mit der Lambretta G325 Special ein kräftig motorisiertes Modell auf den Markt kommen, das offensichtlich der Vespa 300 Konkurrenz machen soll. Für Februar kommenden Jahres ist die Vorstellung einer elektrischen Hochleistungsversion der G325 angekündigt.

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