New Mobility: Die Elektro-Neuheiten der EICMA - Zweiradmesse unter Strom

Variantenreich wie nie stellt die Zweiradszene auf der EICMA in Mailand ihre Elektro-Neuheiten vor. Vom Billigroller bis zum edlen Sportmotorrad ist alles vertreten

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Ein Elektro-Highlight der EICMA ist die RevoNex von Kymco, die 2021 auf den Markt kommen soll Foto: SP-X/Ulf Böhringer

E-Mobilität liegt derzeit im Trend. Das zeigt aktuell eindrucksvoll die Motorradmesse EICMA, auf der sich in großer Zahl neue E-Zweiräder tummeln. Treiber der Szene sind vor allem Newcomer und Rollerhersteller. Bei den etablierten Größen der Branche bleibt es vorläufig zumeist bei Ankündigungen. Dafür erfreuen einige Exoten mit zum Teil skurrilen Fahrzeugen.

Dass E-Antriebe vor allem auch Freiheiten beim Design erlauben, zeigt etwa das Start-up Cake mit dem neuen Modell Ösa. Gleich sehr viele dieser Freiheiten haben sich die Schweden beim modular aufgebauten Leichtkraftrad herausgenommen. Die Ösa erlaubt es dem Kunden, sein Wunsch-Krad aus verschiedenen Modulen zusammenzustellen. Zudem lässt sich der Charakter des Fahrzeugs dank Anbauteilen mit Schnellverschlüssen wie dem mit einem Spiralkabel verbundenen Scheinwerfer verändern. Sitzzahl, Transportlösungen und andere Dinge sind variabel. Das bis zu 10 kW/14 PS starke Bike ist ab Frühjahr 2020 in zwei 45 km/h beziehungsweise 100 km/h schnellen Varianten und mit bis zu 100 Kilometer Reichweite ab 4.500 Euro zu haben.

Ein technisches Highlight der EICMA ist die Serienversion des Elektromotorrads RMK E2. Als Besonderheit bietet das wuchtige Naked Bike aus Finnland ein Hinterrad mit integriertem 80-kW-Motor (109 PS), der sich ringförmig in die Felge schmiegt. Konkrete Fahrleistungen wurden noch nicht genannt, doch soll der Sprint auf Tempo 100 weniger als 4 Sekunden dauern. Die Reichweite wird 200 bis 300 Kilometer betragen. 2020 soll ausgeliefert werden, die Preise liegen bei 25.000 Euro.

Auf der EICMA 2018 hatte Roller-Spezialist Kymco mit der SuperNEX ein optisch spannendes Sportmotorrad mit einigen technischen Höhepunkten als Konzept vorgestellt. Unter anderem soll der schnittige Stromer 250 km/h schnell sein. 2019 folgt mit der RevoNEX ein technisch verwandter Ableger, der sich stilistisch eher in Richtung Naked Bike bewegt. Neben einer ansprechenden Optik bietet das seriennahe E-Motorrad gute Fahrleistungen. So soll der Sprint auf Tempo 100 unter 4 Sekunden dauern und bis zur Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h weniger als 12 Sekunden vergehen. Bis zum Marktstart dauert es hingegen länger: Erst 2021 soll es soweit sein.

Bereits im zweiten Quartal 2020 will der taiwanesische Anbieter Ottobike in Europa antreten. Neben dem Serienmodell MCR, ein Naked Bike mit über 200 Kilometer Reichweite, werden in Mailand auch der aggressiv gestylte Einsitzer MCR S und die Enduro MXR jeweils als Konzepte vorgestellt.

Bereits seit einigen Jahren bietet der italienische Newcomer Energica mit Erfolg E-Motorräder an. Auf der aktuellen EICMA steht die technische Verfeinerung der Modellpalette in Form eines größeren 21,5-kWh-Akkus im Fokus. Bislang waren es 13,6 kWh. Die neue Batterie soll im Stadtverkehr Eva Ribelle, Eva EsseEsse9 und Ego bis 400 und auf der Autobahn immerhin noch 180 Kilometer weit antreiben. Die Preise starten künftig bei rund 21.000 Euro.

Haidin Panther heißt ein neues E-Motorrad-Projekt aus den USA. Es handelt sich um einen eher klassisch anmutenden Chopper mit teilweise  eigenwilligen und leicht futuristischen Designdetails. Der E-Antrieb soll rund 45 kW/61 PS stark sein, die Batterie für rund 160 Kilometer reichen. Marktstart und Preis wurden noch nicht genannt.

Konkreter ist da der italienische Hersteller Tacita mit einem ebenfalls eigenwillig gestylten Chopper namens T-Cruise Turismo. Es handelt sich um eine Variante mit Windschild und ein Kofferset der bereits bekannten T-Cruise. Der Kunde kann vier Leistungsstufen von 11 bis 44 kW und Batteriekapazitäten von 9 bis 27 kWh ordern. Im besten Fall sind 322 Kilometer Reichweite möglich. Die Preise variieren zwischen 12.700 und knapp über 26.000 Euro.

Die meisten etablierten Motorradhersteller haben hingegen kaum etwas Elektrisches im EICMA-Gepäck. Allein bei Harley-Davidson ist man ein Stück weiter. Obwohl ohne Neuheitswert, wurde die bereits 2019 in den Markt eingeführte Livewire auf dem Stand der US-Marke prominent platziert. Wirklich neu sind bei Harley dafür Pedelecs, mit dem der Motorradhersteller sein E-Portfolio ausbaut. Auch Ducati zeigt eine E-Mountainbike-Familie, doch wie die andere großen Hersteller haben die Italiener bisher nur angekündigt, in naher Zukunft ein elektrisch angetriebenes Motorrad vorstellen zu wollen. Gleiches gilt für Triumph, BMW, KTM, Yamaha und Kawasaki. Letzterer hat parallel zur EICMA immerhin ein Video veröffentlicht, das einen Ausblick auf das erste E-Motorrad der Japaner gibt.

Mehr bewegt sich im Segment elektrischer Leichtkrafträder. Horwin heißt eine neue Marke, die auf der EICMA die Modelle CR6 und CR6 Pro zeigt. Es handelt sich um klassisch anmutende Naked Bikes der 125er-Klasse, die in zwei Leistungsstufen angeboten werden. Während bei der CR6 maximal 95 km/h möglich sind, kann die Pro dank Fünfganggetriebe 10 km/h schneller fahren.

Aus Fernost kommt auch die Storm Bee von Sur Ron. Bislang hat die Marke das Kleinkraftrad Light Bee auch in Deutschland angeboten. Nun will man in die 125er-Klasse mit einer Hartenduro vorstoßen, die mehr Leistung und höhere Geschwindigkeiten erlauben soll als die Sur Ron.

Nochmals umtriebiger sind die Rollerhersteller, die zum Teil bereits seit Jahren Stromer zum Kauf anbieten. Bei den Neuheiten der EICMA steht vor allem das Tempo im Fokus, das künftig gerne auch mal jenseits von 45 km/h liegen darf. Wie etwa beim Elektro-Newcomer Vespa. Die 2018 vorgestellte Elettrica zeigt die italienische Kultmarke in Mailand nun in einer stärkeren Version, die Tempo 70 erreichen soll.

Die chinesische E-Roller-Riese Yadea präsentiert zudem den neuen C1S, der sich durch modernes Design, Konnektivitätstechnik und gehobenes Tempo auszeichnet. Der Heckmotor stellt bis zu 6 kW/8 PS bereit und somit den C1S bis 80 km/h beschleunigen. Die Reichweite soll 100 Kilometer betragen.

Ebenfalls sehenswert ist der Kymco I-One DX, der trotz einiger progressiver Details wie ein klassischer Roller daherkommt. Das Modell soll über 70 km/h schnell werden und dank  zwei herausnehmbarer Batteriepakete bis 100 Kilometer Reichweite bieten.

Der Roller-Hersteller Askoll zeigt auf der EICMA den neuen 45-km/h-E-Scooter Dixy. Diesen wird es in zwei Leistungs- und Batterieversionen geben. Der schwächere Dixy1 mit einem kW bietet 45 Kilometer Reichweite, der Dixy2 mit 2,2 kW/3 PS starkem Motor hat einen größeren Energiespeicher und über 70 Kilometer Reichweite.

Schließlich zeigt der chinesische Hersteller Keeway den neuen 45-km/h-Roller E-Zi, den es in den Leistungsstufen Light und Pro geben wird. Letzterer dürfte mit 3 kW/4 PS starkem Heckmotor eine recht flotte Beschleunigung auf 45 km/h erlauben.

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