Test Lexus CT 200h: Warten auf Rückenwind

16Test Lexus CT 200h: Warten auf Rückenwind
Lexus CT 200h. Foto: Auto-Medienportal.Net/Lexus

Kaum zu glauben - mit 300 000 verkauften Autos weltweit ist der Lexus CT 200h eines der erfolgreichsten Hybrid-Modelle der noblen Toyota-Tochter. In Deutschland ist davon so gut wie nichts zu sehen. Gegen die heimische Konkurrenz Audi A3, BMW 1er oder Mercedes-Benz A-Klasse bekommt die kompakte Premium-Schräghecklimousine mit Vollhybridantrieb seit ihrem Debüt in 2011 einfach kein Rad auf den Boden. Die Modellüberarbeitung, zum unveränderten Einstiegspreis von 26 950 Euro ab sofort beim Händler, wird daran vermutlich nur wenig ändern.

Das Facelift ist wörtlich zu nehmen, wurde doch vor allem die Front schärfer gezeichnet. Durch ein neues Gittermuster erscheint der auffällige Diabolo-Kühlergrill, gerade in der F-Sport-Variante (35 950 Euro), nun noch aggressiver. Cleverer Designtrick sind die pfeilspitzenförmigen Tagfahrleuchten, die jetzt über den LED-Scheinwerfern sitzen. Das Heck protzt mit breiteren LED-Rückleuchten in L-Form. Neue Alufelgen im Format 15 bis 17 Zoll, beim F-Sport auch in Dunkel-Metallic, prägen die Flanken.

Wichtigste Änderung im Innenraum ist das von sieben auf 10,3 Zoll vergrößerte Navigation-Multifunktionsdisplay inklusive Split-Screen-Funktion und verbesserter Smartphone-Konnektivität. Leider nicht geändert wurde die fummelige Bedienung durch den Computermaus-ähnlichen Controller, bei dem man mit dem Cursor kleine Symbole auf dem Bildschirm treffen muss. Bei städtischem Gewusel oder hohem Tempo nicht möglich, ohne den Blick lange von der Straße zu nehmen, fast so als würde man auf dem Handy herumtippen.

Immerhin wurde dafür das Sicherheitsnetz verstärkt. Ab der mittleren Ausstattung Executive (28 800 Euro) stets an Bord ist nun das ,,Safety System+"-Paket. Darin enthalten sind alle gängigen Assistenzsysteme, vom Kollisionswarner inklusive Fußgängererkennung und Notbremsfunktion, Tempomat mit automatischer Distanzkontrolle, Spurhalte- und Spurverlassenswarner, automatische Fernlichtkontrolle sowie eine Verkehrszeichenerkennung.

Nach wie vor gibt es den CT 200h nur mit einem Hybridantrieb, bestehend aus einem 1,8-Liter-Benziner mit 99 PS und einem Elektromotor mit 82 PS. Das System stammt aus dem Auris Hybrid und kommt auf eine Systemleistung von 136 PS. Damit sind leider nur wenig premium-like Fahrleistungen möglich. Wobei man mit den 10,3 Sekunden für den Standardsprint oder 180 km/h Spitzentempo noch leben könnte. Wäre da nicht das stufenlose Automatikgetriebe, das mit dem aufjaulenden Gummibandeffekt jeden Spaß am beherzten Beschleunigen vermiest. Im städtischen Stop&Go jedoch spielt der CT 200h seine Stärken aus.

Bei unserer anderthalbstündigen Probefahrt in dickstem Rush-hour-Verkehr von Madrid waren wir mehr als die Hälfte der Zeit rein elektrisch unterwegs. So rücken die Normverbräuche von 3,6 Liter (CO2: 82 g /km) sogar in realistische Nähe. Und wer weiß, angesichts von Dieselskandal, Verbrauchtricksereien und der Wende zur Elektromobiliät braucht Lexus vielleicht nur den langen Atem. ,,Nach vielen Jahren Gegenwind spüren wir dank der aktuellen Diskussion inzwischen ein wenig Rückenwind", sagt der neue Lexus-Geschäftsführer Heiko Twellmann. Na dann, Segel hissen und abwarten. Der nächste Diesel-Shitstorm kommt bestimmt. (ampnet/fw)

Daten: Lexus CT 200h

Länge x Breite x Höhe (m): 4,36 x 1,77 x 1,46
Radstand (m): 2,60
Motor: 4-Zyl.-Benziner, 1798 ccm
Leistung: 73 kW / 99 PS bei 5200 U/min
Elektromotor: 60 kW / 82 PS
Max. Drehmoment: 142 Nm bei 2800-4400 U/min
Systemleistung Hybrid-System: 100 kW / 136 PS
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,3 Sek.
Antriebsart: Frontantrieb
ECE-Durchschnittsverbrauch: 3,6-4,1 Liter
CO2-Emissionen: 82-94 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: min. 1445 kg / max. 400 kg
Kofferraumvolumen: 375-985 Liter
Luftwiderstandsbeiwert: 0,29
Bereifung: 215/45 R17
Basispreis: 26 950 Euro

Der Artikel "Test Lexus CT 200h: Warten auf Rückenwind" wurde in der Rubrik AUTOMOBIL mit dem Keywords "Lexus CT 200h" von "Frank Wald/ampnet" am 13. November 2017 veröffentlicht.

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