mid-Kommentar: Aber hallo, jetzt kommt OPSA!

Auch die amerikanischen Geduld-Reserven sind wohl nicht unerschöpflich. Nach rund zwanzig verlustreichen Jahren erschüttern glaubwürdige Informationen die Autobranche, wonach GM seine deutsche Tochter aus dem Konzernverbund lösen möchte: Opel steht offensichtlich zum Verkauf und die französische PSA-Zweimarken-Gruppe aus Peugeot und Citroen zeigt wohl Interesse. Ein Kommentar von mid-Autor Wolfgang Peters.

mid-Kommentar: Aber hallo, jetzt kommt OPSA!
mid Groß-Gerau - Ist Opel bald Teil von PSA? Auch in der Zentrale in Rüsselsheim qualmen sicherlich die Köpfe. GM Company


Auch die amerikanischen Geduld-Reserven sind wohl nicht unerschöpflich. Nach rund zwanzig verlustreichen Jahren erschüttern glaubwürdige Informationen die Autobranche, wonach GM seine deutsche Tochter aus dem Konzernverbund lösen möchte: Opel steht offensichtlich zum Verkauf und die französische PSA-Zweimarken-Gruppe aus Peugeot und Citroen zeigt wohl Interesse.

Damit entstünde ein neuer Europa-Großkonzern, der unmittelbar hinter dem Volkswagen-Konglomerat in den Markt eintritt. Als Opel-Chef Neumann Ende 2016 routinemäßig die Ergebnisse von Rüsselsheim in das GM-Hauptquartier meldete, da schrillten im riesigen Detroiter Renaissance Center die Alarmglocken: Statt des erwarteten Profits liefen wieder rote Zahlen über die Bildschirme, für 2016 musste wieder ein Verlust gemeldet werden, dabei sollte in diesem Jahr die Wende klappen.

Und die amerikanische Mutter ist wohl mit dem Blick auf die eigenen, unbefriedigenden Ergebnisse erst so richtig nervös geworden. Zwischen der GM-Zentrale und dem PSA-Sitz in Paris laufen seit Wochen die Gespräche über eine engere Verbindung der GM-Tochter Opel mit dem französischen PSA-Konzern. Bisher ging es um gemeinsame Entwicklungen, wechselseitigen Technik-Transfer und künftige Operationen auf den Märkten Großbritannien (Brexit und Tochtermarke Vauxhall), China (läuft für PSA prima, aber die Investitionen steigen stark) und Russland (Opel leidet unter politischen Entscheidungen). Alles Projekte und Situationen, die für starke Partner besser zu verkraften sind.

Nun bahnt sich über die bisherigen Kooperationen hinaus eine neue, transatlantische Auto-Ehe an, die gut ist für historische Dimensionen. Seit fast neunzig Jahren zählt die noch immer meistens deutsch sprechende Marke Opel zum globalen GM-Verbund. Eine nicht immer spannungsfreie Verbindung, die schon bessere Zeiten gesehen hatte. Vor knapp zehn Jahren balancierten Opel und GM auf einem schmalen Grat des gemeinsamen Überlebens. Schon damals schien GM zum Opel-Verkauf entschlossen und legte sich dann doch überraschend die Marke wieder an die Brust. Aber selbst amerikanische Muttermilch strömt wohl nicht für immer.

Dabei schien alles auf besserem Weg. Denn für Opel haben sich seit 2009 manche Dinge zum Guten gewendet: Image, Qualität und Produktionsmengen kletterten, Gewinne wurden quartalsweise ausgewiesen, aber das Grundproblem der GM-Tochter wurde nicht ausgeräumt. Opel verdiente trotz Werkschließungen und Abbau der Mitarbeiterzahlen sowie trotz bereits laufender Kooperationen und einer Fülle neuer Modelle viel zu wenig Geld pro Auto. Statistisch wurden zum Beispiel vom Center for Automotive Research für das erste Halbjahr 2016 als Gewinn pro Opel-Auto nur 190 Euro ausgewiesen. Das konnten die französischen Autobauer im PSA-Konzern besser: Peugeot und Citroen verbuchten je Fahrzeug einen Gewinn von 844 Euro. Ein Unterschied, der bei den Franzosen wohl Kauflaune ausgelöst hat.

Wenig launig werden wohl die letzten Tage der hessischen Fastnacht in Rüsselsheim verlaufen. Denn jetzt geht es dort für Belegschaft, Familien und in den Top-Etagen der Manager wieder los mit der Unsicherheit. Wenn PSA zum Zuge kommt, dann wackeln wieder Arbeitsplätze und der Sparkurs wird abermals schärfer. Manche Modelle wie der Elektrowagen Ampera-e kommen den Franzosen wohl gerade recht, was sonst noch bleibt, das ist ungewiss. Und im Hintergrund schwelt der Konflikt um die Zukunft: Braucht der europäische Automarkt überhaupt die Marke Opel? GM scheint die Antwort für sich gefunden zu haben: Die Amerikaner sind wohl entschlossen, ohne Opel doch besser zu fahren.

Wolfgang Peters / mid

Der Artikel "mid-Kommentar: Aber hallo, jetzt kommt OPSA!" wurde in der Rubrik WIRTSCHAFT mit dem Keywords "Auto, Automobilindustrie, Kommentar, Wirtschaft" von "Wolfgang Peters" am 14. Februar 2017 veröffentlicht.

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